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Die ÖVIA

Wissenschaftlich fundiert, praxisorientiert & unabhängig

Beiträge zum ÖVIA Tagungsband 2008

Entwicklungsrichtungen im modernen Anlagenmanagement

  • Hubert BIEDERMANN
    o.Univ.-Prof. Dr.mont., Departmentleiter, Präsident der ÖVIA
    Department Wirtschafts- und Betriebswissenschaften, Montanuniversität Leoben

Die Unternehmensumwelt wie auch interne Einflüsse führen weiterhin zu steigender Bedeutung des Anlagenmanagements. Die Technologieführerschaft als Differenzierungsmerkmal zum Mitbewerb sowie ein nachhaltig wertschöpfungsorientiertes Management verlangen eine Anpassung und Weiterentwicklung desselben. Ausgehend von der erweiterten Zielsetzung bedarf es einer Datenbasis und weiter entwickelter Instrumente, die eine wertschöpfende Anlageninstandhaltungsstrategie unter Berücksichtigung adäquater Organisationsformen und der Personalqualifikation bedürfen. Damit wird es möglich sein, weitere Effizienz- und Effektivitätspotenziale zu erschließen.

Trends und Chancen für die Instandhaltung und Produktion

  • Axel KUHN
    Univ.-Prof. Dr.-Ing., Bereichsleiter Unternehmenslogistik
    Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik
  • Gerhard BANDOW
    Dr.-Ing., Instandhaltungslogistik
    Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik

Instandhaltung und Produktion werden durch vielfältige Trends in der produzierenden Industrie geprägt und gefordert. Diese Trends führen nicht nur zu erheblichen Veränderungen der Prozesslandschaft, sondern eröffnen vor allem viele Chancen, die es zu erschließen gilt. Voraussetzung hierfür ist jedoch, die Chancen ohne Ressentiments gemeinsam zu analysieren und in Kooperation mit Experten aus Praxis und Wissenschaft anzugehen. Personal und Technologie spielen bei der Realisierung neuer Lösungen eine herausragende Rolle. Hier ist es notwendig anzusetzen und dem Fachkräfte- und Ingenieursmangel sowie der (oft zu) späten Nutzung der Möglichkeiten neuer Technologien entgegenzuwirken. Gelingt dies, so werden der Stellenwert und die Wertschätzung der Instandhaltung rapide steigen und es werden sich wirtschaftliche Potenziale in großem Umfang realisieren lassen.

Ein neuer Ansatz zur Prognose von Instandhaltungsaufwendungen und Serviceleistungen

  • Peter WETZEL
    Dipl.-Inform., Vorstand Technologien und Technik, Infoman AG

Maschinenbetreiber versuchen den Einsatz von Produktionsmitteln zu optimieren. So sollen einerseits die Kosten für den Betrieb von Produktionsanlagen niedrig gehalten werden, andererseits die Anlageneffizienz erhöht werden. Dies kann nur durch eine optimalere Kooperation mit den Herstellern geschehen. Die Hersteller wandeln sich gleichzeitig vom Produzenten zum produzierenden Dienstleister und haben daher großes Interesse an einer engen Zusammenarbeit mit den Betreibern. Sollen zum Einkaufszeitpunkt bereits Verträge über den Service, die entstehenden Kosten und die Verfügbarkeit der Anlagen getroffen werden, so sind die Kosten für die Instandhaltung der Maschinen und die Risiken in den Abschätzungen zu berechnen. Im vorliegenden Kapitel wird ein Ansatz für solche Prognosen vorgestellt, der auf der Erfassung aller potentiellen Servicevorgänge beruht. Die Umsetzung des Verfahrens wird anhand der LCP Plattform der Infoman AG demonstriert.

Ramp-Up beim Technologieführer NXP Sound Solutions

  • Friedrich BARISITS
    Dipl.-Ing., Director PCP - Projektmanagement und Automation
    NXP Semiconductors, Business Line Sound Solutions

NXP Sound Solutions ist Weltmarktführer und Technologieführer bei der Entwicklung und Industrialisierung von Hörkapseln und Lautsprechern für die Telekomindustrie. Die Produktlebenszyklen in der Telekom-Industrie sind wahrscheinlich die kürzesten die es zurzeit gibt. Nicht "Time To Market" sondern "Time To Volume" ist die wirkliche Herausforderung. Die schnellen Hochläufe (Ramp-Up’s) der automatisierten Linien von NXP Sound Solutions unterstützen auch noch so aggressive Markteinstiege ihrer Kunden. Im vorliegenden Beitrag wird unter anderem dargestellt, dass der perfekte Ramp-Up nicht eine isolierte Aufgabe der Fertigung ist, sondern dass die Grundsteine dafür technisch bereits in der Research-Phase gelegt werden müssen. Das bezieht sich auf die Produkttechnologie aber vielmehr noch auf die Produktionsprozesse, welche einerseits maßgeblichen Einfluss auf die Produktperformance haben und andererseits in die Automatisierungen (mit extrem kurzen Taktzeiten) integriert werden müssen. In Anbetracht der Lohnkostensituation in Europa ist klar, dass nur hoch effektive "Ways Of Working" (WOW) getragen durch professionelle Mannschaften Ramp-Up’s ergeben, welche für die Standortsicherung überlebensnotwendig sind. Vor allem den WOW, den dabei eingesetzten Werkzeugen sowie die Fertigkeiten (Skills) der cross-funktionalen Organisation wird im Beitrag hohe Aufmerksamkeit gegeben.

Erkenntnisse aus fernöstlichen Produktionssystemen

  • Günther REDTENBACHER
    Ing., Vorstandsmitglied ÖVIA
  • David LERCHBAUM
    Dipl.-Ing., Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lehrstuhl WBW, Montanuniversität

Strategische Überlegungen zwingen viele international operierende Unternehmen in den fernen Osten zu expandieren. Im ersten Teil dieses Beitrags wird auf relevante wirtschaftliche Faktoren eingegangen, die von Seiten der Unternehmen berücksichtigt werden müssen und bei der Entscheidung, einen Produktionsstandort in China zu errichten, wesentlich zur Investitionsüberlegung beitragen. Anschließend wird ein quantitatives Modell vorgestellt, mit dem sich die günstigste Form eines möglichen Standortes aus der Summe der einzelnen Einflüsse ergibt und so die Entscheidung unterstützen kann. Im zweiten Teil des Artikels wird auf Kulturunterschiede eingegangen und an einem konkreten Fall der Einsatz von Methoden und Instrumenten zur Qualitätsverbesserung in einem chinesischen Produktionsstandort gezeigt.

Die Integration von TPM in eine zielorientierte Unternehmensführung

  • Manfred BRACHER
    Dr., General Manager, Huhtamaki

MbO - Management by Objectives - hat sich in der betrieblichen Praxis als wichtiges Instrument zur zielgerichteten Steuerung von Unternehmen etabliert. Um eine bestmöglichen Aktivierung vorhandener Potentiale zu ermöglichen, ist eine umfassende Einbindung aller Mitarbeiter in den MbO-Prozess notwendig. TPM bietet dafür ideale Voraussetzungen, weil es einerseits Gruppenarbeit auf Basis systematischer Effizienzkennzahlen unterstützt und andererseits den kontinuierlichen Verbesserungsprozess als Kernaktivität beinhaltet. Die Zusammenführung der zielorientierten Unternehmensführung mit den Methoden von TPM stellt eine Herausforderung für die Aufbau- und Ablauforganisation, sowie die unternehmenskulturellen Aspekte dar. Dazu sind Anpassungen und Erweiterungen in der Gesamtkonzeption notwendig, welche die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung bilden.

Bauteilverfolgung in der Instandhaltung mit RFID

  • Manfred JEUDE
    Dr.-Ing., Dipl.-Phys., Leiter Prozesstechnik, Aluminium Norf GmbH

In jedem, vor allem aber in größeren produzierenden Unternehmen ist es erforderlich, den Bauzustand der Produktionsanlagen zu dokumentieren, z.B. wenn ein defektes Teil durch ein Reserveteil ersetzt wird. Auch der Lebensweg des Austauschteils, seine Nutzungszeiten und Instandsetzungen etc. liefern Informationen, die zu einem kostengünstigen, effizienten Instandhaltungsmanagement erforderlich sind. Die heute verfügbare RFID-Technik stellt die Grundlage zur Verfügung, um im Verbund mit geeigneter Datentechnik den Prozess der Bauteilverfolgung automatisiert und ohne Gefahr von Fehleingaben zu gestalten. Im Beitrag werden die Anforderungen an ein geeignetes System beschrieben und die wesentlichen Prozessschritte anhand eines Beispiels verdeutlicht.

Road to Reliability

  • Matthias WOBBE
    Dipl.-Kfm., Geschäftsführer, Meridium Europe GmbH

Es gibt grundsätzlich nicht "die optimale Instandhaltungsstrategie", auch nicht für einzelne Anlagen oder deren Komponenten. Die optimale Strategie hängt von Zielen und Leistungsanforderungen ab, die an eine konkrete Anlage im aktuellen Umfeld bezüglich unterschiedlicher Kriterien gestellt wird. In diesem Kapitel wird ein bewährtes Verfahren beschrieben, mit dessen Hilfe unter Nutzung der RCM-Methodik (Reliability Centered Main-tenance) eine, bezogen auf die Ziele des Unternehmens optimale IH-Strategie entwickelt, implementiert und validiert werden kann.

Zuverlässigkeitsmanagement mit Reliability Centered Maintenance in einem integrierten Hüttenwerk

  • Michael HOLTMANN
    Dr.-Ing., Leiter Projekte Anlagenwirtschaft Stahlerzeugung
    Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH

Produktionskritische Anlagen bewirken bei ihrem Ausfall erhebliche Einschränkungen für den Produktionsablauf anlagenintensiver Industrien wie z.B. der Stahlindustrie. Die VDI 4003 stellt die notwendigen Methoden zur Verfügung, um im Rahmen des Zuverlässigkeitsmanagements die Anlagenzuverlässigkeit zu beurteilen und gegebenenfalls den definierten Anforderungen anzupassen. Eine Methode mit dem besonderen Schwerpunkt der Ermittlung von Instandhaltungsmaßnahmen zur Gewährleistung der Zuverlässigkeit zuvor definierter Anlagenfunktionalitäten ist die zuverlässigkeitsorientierte Instandhaltung (Reliability Centered Maintenance, kurz: RCM). Im Rahmen des Beitrags werden die Bedeutung des Zuverlässigkeitsmanagements für die Hüttenwerke Krupp Mannesmann erläutert und RCM als Methode des Zuverlässigkeitsmanagements vorgestellt.

Erfolgsfaktoren einer risikobasierten Instandhaltung

  • Andreas THEIS
    Dipl.-Ing., Leitender Projektingenieur
    IFINKOR – Institut für Instandhaltung und Korrosionsschutztechnik GmbH

Risikomanagement ist in den letzten Jahren ein oft verwendeter Begriff geworden. Rund um das Thema Risikomanagement finden sich hohe Erwartungen, aber auch viele Missverständnisse. Dabei sind Risiken in Unternehmen stets gegenwärtig. Ihre Bewertung und Berücksichtigung ist keineswegs neu. Jedoch wird den technischen Risiken oftmals nicht die Bedeutung zugemessen, die sie im Zuge des zunehmenden Wettbewerbs und ständig wachsender Marktanforderungen gerade für kleine und mittlere produzierende Unternehmen (KMU) haben. Einige noch allzu oft vernachlässigte Maßnahmen technische Risiken zu minimieren bietet die Instandhaltung. Wer die Potenziale der Instandhaltung zur Minimierung technischer Risiken richtig einschätzt und einsetzt, sichert den Bestand des Unternehmens und steigert die Wettbewerbsfähigkeit.

Effizienzsteigerung durch Risk- und Reliability (R2) based Maintenance Strategien

  • Nils BLECHSCHMIDT
    Dipl.-Ing., MBA, Senior Partner, CON MOTO Consulting Group GmbH

Die Gestaltung und Implementierung von Risk und Reliability based Maintenance Strategien (risiko- und verfügbarkeitsgetriebenen Instandhaltungsstrategien) gewinnt bei immer weiter fortschreitender Automatisierung von Produktionssystemen unter volkswirtschaftlichen und unternehmerischen Gesichtspunkten immer mehr an Bedeutung. So betrugen bereits im Jahr 2004 innerhalb der Europäischen Union (EU) die direkten als auch indirekten Instandhaltungskosten (Produktionsausfallkosten) ca. 9.000 Mrd. € - und dies mit steigender Tendenz.

Risken von Anlagen aus Sicht des Versicherers

  • Gerhart EBNER
    Dipl.-Ing., Geschäftsführer
    RiskConsult Sicherheits- und Risiko- Managementberatung GmbH

Bei jeder (wirtschaftlichen) Aktivität setzen wir Werte (un)bekannten Gefahren aus – wir riskieren also. Riskmanagement ist der bewusste Umgang mit Risken. Risken werden eingegangen um Chancen nutzen zu können. Wir versuchen, so viele Risken wie möglich und wirtschaftlich sinnvoll zu vermeiden oder durch Einsatz geeigneter Maßnahmen auf ein akzeptierbares Maß zu reduzieren. Versichern ist ein Teil des Riskmanagement - die Auslagerung versicherbarer (Rest-) Risken an einen Dritten gegen Entgelt. Risken können dadurch kalkulierbar gemacht werden. Ein wesentlicher Teil der Einschätzung des (Rest-) Risikos durch den Versicherer ist die Beurteilung des (dokumentierten) Riskmanagements des Anlagenbetreibers. Beispielhaft wird das Risikobeurteilungssystem der RiskConsult dargestellt.

 

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